Eine Schoko-Mandel-Torte und Talk beim Lagenschau´n

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Wenn man sich lange auf einen Tag, auf ein Ereignis freut, das auch vom Wetter abhängig ist, dann ist man besonders erfreut, wenn einem an diesem Tag ein blauer Himmel und strahlender Sonnenschein weckt. So an diesem Tag Anfang Juni!

Es ist Samstag, ich komme in die Küche und sehe meine Schoko-Mandel-Torte, die ich am Vorabend gebacken habe und vor unseren Katzen mit Alufolie geschützt habe. Nachdem das Wetter so perfekt ist, beschließe ich, die Torte auf unserer Terrasse zu fotografieren. Es ist genug Zeit und die Fotos, die ich mit meinem Lieblingsobjektiv, einem Nikon Makro-Objektiv, mache, runden einen wirklich guten Morgen ab. Und es ist auch noch früh genug, um mich für meinen Ausflug ins Burgenland fertig zu machen und zu packen.
Ich nehme heute am „Lagenschau´n“, einer Weinexkursion des Weinguts Rittsteuer, teil. Beim Lagenschau´n geht es darum, die einzelnen Rieden, also die Einzellagen, in denen die Reben für die jeweiligen Weine eines Winzers wachsen, kennenzulernen.

In Neusiedl besuche ich zunächst meine Eltern, dann geht es zum Weingut Rittsteuer, wo Familie Rittsteuer die eintreffenden Gäste mit einem Glas ihres köstlichen Frizzante Rosé begrüßt. Die Stimmung ist gut und man berät kurz, mit wie vielen Fahrzeugen es zur Fahrt in die Weingärten und Weinberge geht. Unser gemütliches Fahrzeug ist ein großer Traktoranhänger, überdacht und mit einer langen Tafel ausgestattet, an der wir an beiden Seiten auf Sitzbänken Platz nehmen. Durch den Garten der Rittsteuers lenkt Paul Rittsteuer jun. den Traktor (ich beneide ihn nicht um diese diffizile Aufgabe!) Richtung Straße, vorbei an Obstbäumen, ein Gast pflückt sich gut gelaunt eine Kirsche und mit Begeisterung stelle ich fest, dass auch wunderschöne Mandelbäume im Garten der Rittsteuers wachsen. Ich liebe diese Bäume mit ihren zarten Blättern und den grünen, samtigen Früchten. Aber nicht alle dieser Bäume, die wir in der Natur finden, tragen auch essbare Früchte. Gemeinsam ist den Mandelbäumen, dass sie besonders in Regionen mit Weinbau gut gedeihen.

Paul Rittsteuer sen. steht am Ende des Anhängers, um den interessierten Teilnehmern Wissenswertes über die Kunst des Weinbaus im allgemeinen und sein Weingut im speziellen zu erzählen. Durch die Stadt Neusiedl selbst geht es in Richtung der leichten Hügel, die Neusiedl am See umgeben und an die Parndorfer Platte anschließen. Vorbei an den zahlreichen neu errichteten Häusern – die Region Neusiedler See ist eine boomende Region, was den Zuzug aus der Stadt betrifft – geht es über eine schottrige Straße in jene Gegend, in der sich die Reben für den „Grünen Veltliner Alte Reben“ befinden. Von dort aus hat man eine wunderschöne Sicht über die Stadt und wir stoppen, genießen einen Schluck des Weins, der eben von jenem Weinberg stammt, und hören den Ausführungen Paul Rittsteuers zu.

Der Grüne Veltliner Alte Reben ist übrigens ein kräftiger, dichter Weißwein, anders als man es zunächst bei dieser Sorte vermutet – für mich eine sehr angenehme Überraschung. Seine Kraft stammt auch aus über 30 Jahre alten Rebstöcken.

Nach der kurzen Pause geht unser Ausflug weiter. Wir klettern wieder auf unseren Anhänger, fast alle haben wir einen Sonnenhut oder eine Kappe auf, doch hier am überdachten Anhänger ist das nicht einmal nötig. Die Fahrt an diesem sonnigen Juni-Tag wird durch den leichten Fahrtwind noch angenehmer. Ich versuche, mir so viel wie möglich zu merken, von dem, was Paul Rittsteuer erzählt, aber neben Fotografieren und Betrachten der Landschaft, ist das gar nicht so leicht. Hinzu kommen Gespräche mit den anderen Teilnehmern, denn schon bald tauscht man sich aus.
Der Traktor fährt Richtung Neusiedler Prädium, eine Gegend, die heute vor allem als Betriebsgebiet bekannt ist. Hier haben sich in den letzten Jahren unzählige große Firmen, Supermärkte und Geschäfte angesiedelt. Doch die sind nun nicht unser Ziel. Es sind wieder die Lagen, die uns hier interessieren. Der Boden hier ist sehr trocken und schottrig, wenn es regnet, versickert das Wasser schnell, doch mit dem Wissen des Winzers sind auch aus dieser Lage hochwertige Weine zu gewinnen.

Paul Rittsteuer

Durch das Betriebsgebiet verlassen wir diese Lage und über die Bundesstraße begibt sich der Traktor Richtung Nachbargemeinde Jois. Wieder erwartet uns ein besonders idyllischer Platz: Neuberg heißt diese Lage. Von diesem Südhang stammen einige der besten Rotweine Neusiedl am Sees. Wir machen Rast im Schatten eines großen Baums am Wegrand und sehen über den sanften Hang hinunter Richtung Stadt und Neusiedler See. Von hier stammt auch der Merlot Neuberg des Weinguts Rittsteuer. Der im kleinen Eichenfass ausgebaute, kräftige und vollmundige Rotwein, der durch seinen lang anhaltenden Abgang besticht, ist jener Wein, den Paul Rittsteuer sich auch als Speisebegleiter für Schokolade vorstellen konnte. Als ich ihn beim Interview nämlich gefragt hatte, welcher seiner Rotweine es mit Schokolade aufnehmen kann, nannte er mir den Merlot Neuberg.

Die Sorte Merlot, so weiß Paul Rittsteuer zu erzählen, fügt sich übrigens sehr dankbar in die Region Neusiedler See und bringt erfreuliche Ergebnisse zutage. Ja, man schmeckt es!
Meine Freundin Bettina, Tochter Paul Rittsteuers, die mit anderen Familienmitgliedern in einem kleinen Bus dem Traktor folgt, überrascht uns mit einem Korb frisch gebackener Grammelpogatscherl, einer burgenländischen Spezialität, eben zum charakteristischen Hauptbestandteil aus Grammeln gebacken, die köstlich zu Wein schmeckt. Was für ein genussvoller Tag!
Familie Rittsteuer erklärt das Rezept der Grammelpogatscherl und ein deutscher Gast versucht sich in der richtigen Aussprache dieser Köstlichkeit aus unserer Steppe. Man diskutiert über das Land- und das Stadtleben und ich nehme mir schließlich die Zeit, einige Fotos zu machen.

Mit Freude entdecke ich als Rosenliebhaberin, dass hier, wie bei so vielen Weingärten, Rosen am Beginn der Weinreben wachsen. Paul Rittsteuer erklärt auf der weiteren Fahrt auch, was es mit den Rosen in den Weingärten auf sich hat. Der praktische Grund ist der, dass Rosen schneller vom Mehltau befallen werden als der Wein, und dass sie dem Winzer dadurch als Hinweis auf Mehltau dienen.

Auf der Fahrt vom Neuberg, unserer letzten Station beim Lagenschau´n, zurück zum Weingut, berichtet Paul Rittsteuer noch von einer weiteren Besonderheit der burgenländischen Weingärten: Im Gegensatz beispielsweise zu Frankreich, wo die Weingärten faktisch Monokulturen darstellen, sind die Weingärten des Burgenlands durch zahlreiche, schattenspendende Bäume charakterisiert. So ist es etwa der Nussbaum (ja, schon wieder der Nussbaum, das heißt der Walnussbaum!), der sich seit jeher großer Beliebtheit erfreut. Während der schweren Arbeit in den Weingärten empfanden es die Menschen als Wohltat, unter einem Walnussbaum ausruhen zu können. Und ja, wenn man ganz bewusst seinen Empfindungen folgt, wird man feststellen, wie angenehm der Schatten eines solchen Baums ist!

Die schwere Arbeit, die heute natürlich durch den Einsatz von Maschinen erleichtert wurde, zeigt sich auch in der Bezeichnung einer Lage, die an den beschriebenen Neuberg angrenzt – die „Lange Ohn“, ein Name, der ja auch für einen Wein des Weinguts Kast namengebend war. Die Länge dieser Weingärten, so Paul Rittsteuer, hat man als eine große Anstrengung empfunden, wenn man bei jedem Wetter dort arbeiten musste.

Entlang der Neusiedler Csarda, eines Reitstalls, begeben wir uns zurück Richtung Stadt. Die Frauen der Familie, die nicht mitgefahren sind, haben in der Zwischenzeit ein unglaublich köstliches und reichhaltiges Buffet aufgebaut – Schinken, Käse, duftende Aufstriche, Paradeiser, wie man generell in Österreich zu Tomaten sagt, Paprika und weitere Köstlichkeiten erwarten uns!
Und es erwartet uns eine kommentierte Weinverkostung! Paul Rittsteuer lässt uns alle Weine, die sein Weingut zur Zeit anbietet, verkosten und erklärt zu jedem dieser Weine die für diesen ganz eigene Charakteristik. So klingt ein Abend, mit guten Freunden, bei wunderbaren Gläsern eines mit viel Liebe und Können kreierten Weins und bei dazu passenden, kalten Spezialitäten aus.

Und hier noch das Rezept der Schoko-Mandel-Torte, die ich am Vorabend meines Ausflugs gebacken habe:

Das Rezept stammt aus einem kleinen Büchlein mit dem Titel „Schokolade. Über 100 köstliche neue Ideen“, das ich einmal, als ich auf eine Straßenbahn wartete, in einem Buchladen kaufte, weil es mir so gut gefallen hatte, das es mit einer Schleife zusammengehalten wird.

Zutaten:

  • 175 g Butter (ich nehme immer Butter, keine Margarine)
  • 225 g Kochschokolade
  • 150 g brauner Zucker
  • 30 g gemahlene Mandeln
  • 3 EL Mehl
  • Etwas Backpulver
  • 5 Eier, getrennt
  • 100 g gehobelte Mandeln, fein gehackt
  • Puderzucker zum Bestäuben

Die Schokolade im Wasserbad schmelzen, den Zucker hinzugeben und solange rühren, bis sich der Zucker aufgelöst hat.

Die Butter langsam hinzufügen und in der warmen Schokolade schmelzen.

Schließlich Mandeln, Mehl und Backpulver einrühren. Am Ende das Eigelb hinzufügen.

Das Eiweiß zu Eischnee schlagen und langsam unter die Schokoladenmasse heben. Die gehobelten und gehackten Mandeln einrühren. Die komplette Masse schließlich in eine eingebutterte Springform füllen.

Im auf 180° C vorgeheizten Backrohr 40-45 Minuten backen.

Die Torte unbedingt auskühlen lassen (am besten über Nacht!) ehe man die Springform löst.

Mit Puderzucker bestreuen und nach Belieben verzieren.

Das Rezept eignet sich auch sehr gut für Menschen, die kein Gluten vertragen, da hier fast gar kein Mehl verwendet wird. Und das Vorhandene kann man durch glutenfreies ersetzen.

Guten Appetit!

Schoko-Mandel-Torte

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