Der Burger aus der Steppe: Baptist Niessl und Martin Michlits und ihre Erfolgsstory mit regionalem Bezug

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Zum ersten Mal aufmerksam wurde ich auf die beiden Jungunternehmer und ihr spannendes Burgerlokal-Projekt, als mir mein Vater, anlässlich eines Wochenendbesuchs in Neusiedl am See, am Frühstückstisch eine Tageszeitung präsentierte, die in ihrem Regionalteil über zwei Burschen berichtete, die aus Biorindfleisch der Nationalparkregion Neusiedler See-Seewinkel grandiose Burger zaubern. Toll, was es in Neusiedl am See alles gibt, dachte ich, kam aber aufgrund verschiedener anderer Überlegungen nicht mehr dazu, mich näher mit dem Thema zu befassen. Doch, wie es so ist, begegnet einem auch eine gute Geschichte nicht nur einmal: Eine liebe Schulfreundin erzählte mir, als ich sie in Neusiedl am See traf, von “Max Burgers”, dass jeder zur Zeit diese Burger wolle, weil diese nicht nur köstlich seien, sondern weil die beiden Betreiber des Ladens auch noch Biofleisch aus heimischen Betrieben verwenden würden. Der Burger ließ mich also nicht mehr los. Steppe, Burger, der Burger aus der Steppe – Burger im New Yorker Stil mit hoch qualitativem Fleisch aus dem Seewinkel! Brilliant nahezu! Zu Hause in Wien beschloss ich, bei meinem nächsten Besuch in Neusiedl am See einen dieser Burger zu verkosten und die Betreiber um ein Interview zu bitten! Gesagt, getan. Ich verkostete nicht nur den saftigen Grey Cattle-Burger, sondern konnte auch Baptist Niessl, einen der beiden jungen Betreiber, für ein baldiges Interview gewinnen!

Ich traf Baptist Niessl in einer der wirklich raren Pausen im Laden “Max Burgers” auf der Neusiedler Hauptstraße. Pause bei “Max Burgers” bedeutet aber nicht, dass keine Gäste anwesend sind, aber es ist dies eine Zeit, in der man durchatmen und vorbereiteten kann, ehe wieder eine unglaubliche Betriebsamkeit ausbricht und sich vor dem Geschäft eine lange Schlange der Hungrigen, Burger-Begeisterten und manchmal auch der einfach Neugierigen bildet. 

 

Max Burgers (Quelle: Max Burgers)

 

Auch beim Studieren ihrer Facebook-Seite, merkte ich bald, dass “Max Burgers” nicht selten schon am Nachmittag ausverkauft sind. Doch wo liegt der Erfolg dieses Ladens begründet und wer sind Baptist Niessl und Martin Michlits?

Man habe den Vorbesitzer des Ladens gekannt und sie seien Stammgäste dort gewesen, so Baptist im Interview. Als der ehemalige Besitzer den Laden verkaufte, schlugen sie zu und wagten selbst das Vorhaben, Burger in Neusiedl am See zu verkaufen. Nicht irgendwelche Burger, da war man sich schnell einig: Es sollten Burger sein, für deren Produktion es galt, regionale Lieferanten zu gewinnen und auf höchste Qualität zu setzen. 

Und nein, man habe vorher nicht unbedingt etwas mit Gastronomie zu tun gehabt. So arbeitete Baptist zuvor, nachdem er seine Matura nachgeholt hatte, bei der Brau Union in Schwechat, und gilt wie sein Kollege Martin Michlits, der im Bereich der Wind-Energie tätig war, als Quereinsteiger. 

Einer der wichtigsten Lieferanten, der von Anfang an der Idee der beiden Jungunternehmer offen gegenüber stand, ist Martin Karlo, jener Martin Karlo, der wohl niemandem im Burgenland, aber auch darüber hinaus, unbekannt ist. Die Fleischerei Karlo mit Hauptsitz in Pamhagen im Seewinkel wurde mehrfach für ihr Fleisch mit Auszeichnungen geehrt und ist das einzige Unternehmen, das als zertifizierter Schlachtbetrieb vom Nationalpark der Region dazu beauftragt wurde, das Fleisch der Graurindherde aus dem Seevorgelände des Nationalparks an ausgewählte Partner zu vertreiben. 

1994 begann man am Areal des Nationalparks Neusiedler See-Seewinkel mit dem Aufbau einer Herde des Grauen Ungarischen Steppenrinds. Es war auch die extensive Vieh- bzw. Weidewirtschaft, die die Landschaft der “Steppe” seit jeher prägte und auf die man sich heute wieder in unserer Region besinnt. Die baumlosen Wiesen und Hutweiden am Ostufer des Neusiedler Sees und rund um die Lacken gehen auf diese kulturlandschaftliche Nutzung zurück. 

 

Steppenrinder im Nationalpark (Quelle: Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel)

 

So kommt das Fleisch vom Biofleischer, das Brot für die Burger kommt aus einer kleinen Bäckerei in Tadten (Seewinkel) und das Gemüse stammt in der Saison vom jungen Martin Pölzer aus St. Andrä, der eben sein Studium an der BOKU abgeschlossen hat und nach biologischen Richtlinien arbeitet. 

Das ist wohl das Team hinter dem Team von Max Burgers. Zusammen bürgt man für Qualität, zusammen ist man Botschafter der Region.

 

Christoph Puschner und Baptist Niessl

 

Alles wird frisch zubereitet, daher darf man auch nicht annehmen, dass Max Burgers ein Fast Food-Lokal ist. Das ist es nicht, auch wenn es vielleicht zunächst den Anschein erwecken mag. Hier geht es eher im besten Sinne um Slow Food. Top-Qualität, die sich nach dem täglichen Angebot richtet. So gibt es neben der Auswahl an Burgern auch immer wieder zusätzliche Spezialitäten, wie Wraps mit bestimmten Fleischsorten oder auch selbst gemachte Falafel und Hummus. Auch Wasserbüffel oder Mangalitza-Schwein gehören zu diesem Schwerpunktprogramm. 

Und wie auch bei meinem letzten Interview-Partner, Attila Corbaci, heißt es auch bei Baptist und Martin: “Wenn es aus ist, dann ist es aus.” 

Wir haben ein gewisses Kontingent – wenn das weg ist, ist es weg. Dafür ist aber immer alles frisch!

Und Baptist betont die Authentizität ihres Betriebs:

Wir lügen keinen an. Das, was drinnen ist, ist drinnen. Das, was wir schreiben, das stimmt. Die Leute kaufen ja nicht nur den Burger, sondern auch das, was dahintersteht: Das Regionale. Das Geld bleibt da, im Burgenland. So lebt der Bauer, es lebt der Bäcker… Das ist einfach super und wir haben ja auch eine super Zeit erwischt und hatten auch das Glück – das gehört natürlich auch dazu. Das macht einem Spaß und gibt einem wiederum die Power, dass man weitermacht und dass man auch immer wieder weitersieht und sich fragt, was man noch machen könnte.

Bei Max Burgers bedient man keine bestimmte Zielgruppe, sondern freut sich über jeden einzelnen Besucher. Nachdem der Preis ein sehr fairer für ein Spitzenprodukt ist, kommen sie alle: Schüler, Bankbeamte, Bauarbeiter, Familien… Max Burgers wird in den Pausen besucht und am Wochenende, man isst vor Ort oder man nimmt sich etwas für zu Hause mit. 

 

Max Burgers (Quelle: Max Burgers)

 

Es war die Mundpropaganda, die am meisten gewirkt hat. Baptist Niessl und Martin Michlits kennen eine Menge Leute und viele Begeisterte gaben den Tipp an Freunde und Bekannte weiter. Die Presse tat schließlich ihr Übriges. Und als der Falstaff, Österreichs Top-Genuss- und Weinmagazin die Neusiedler Burger-Macher zu den besten Burger-Adressen Österreichs zählte, nahm der Run auf den kleinen Laden auf der Neusiedler Hauptstraße noch mehr zu. Sich zu vergrößern, sei momentan noch kein Thema, so Baptist im Interview. Über das Lob und die ermunternde Kritik freut man sich sehr. 

Das Geheimnis des Erfolgs ist wohl wirklich die Authentizität, das Bewusstsein für Qualität und Regionalität und einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur – Themen, die erfreulicherweise generell in der Gesellschaft wichtiger geworden sind. Und – es ist das Gefühl für den Umgang mit Menschen, die sympathische, alltägliche Begegnung – der “Schmäh”, wie Baptist es ausdrückte:

Wichtig ist auch, dass wir einen Schmäh haben, dass wir mit den Leuten auch viel reden. Das ist ganz wichtig.

Steppe und Stadt wünscht weiterhin viel Erfolg und wird bei einem nächsten Neusiedl-Besuch einen weiteren Burger oder, bei meinem Faible für nahöstliche Einflüsse, einen Falafel-Wrap verkosten!

 

(Fotocredits: Ansichten Nationalpark Rinderherde: Nationalpark Neusiedler See-Seewinkel; Ansichten Burger: Max Burgers; Porträts: Steppe und Stadt)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1 Comment
  • Nader
    October 16, 2016

    I like it!