Michael Kast – ein Wein-Pionier in vielfacher Hinsicht

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Seit vielen Jahren genieße ich die Weine des Weinguts Kast, vor allem eine Flasche des Cuvee „Cassio Dio“, eines üppigen, vollmundigen Rotweins, ausgebaut in Barrique, findet sich meist bei uns zu Hause.

Daher freut es mich besonders, dass ich Michael Kast, der auch der Vater einer lieben Freundin ist, als ersten Winzer für mein Projekt interviewen darf.

Es ist ein Freitagnachmittag, ich bin nach der Arbeit nach Neusiedl am See gekommen, fast ein erster Frühlingstag, und am großen, gemütlichen Küchentisch im Hause Kast beginne ich, bei einer angenehmen Tasse Kaffee, Herrn Kast meine Fragen zu stellen.

Schon bald sind wir mitten in der Materie: Neusiedl am See, die Tradition des Weinbaus, die persönliche Zugangsweise Michael Kasts zum Wein und die verschiedenen Rebsorten…

Auf meine Frage, was die großen Veränderungen in der Weinwirtschaft in Neusiedl am See im Laufe des 20. Jahrhunderts waren, meint Herr Kast, dessen Familie seit 6 Generationen Weinbau betreibt, dass die Betriebe früher Mischbetriebe waren, dass der Wein nur eine Sparte neben Ackerbau oder Viehzucht darstellte. Erst in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten sich Spezialbetriebe, die eben den Wein zum Inhalt wählten. Auch war die Vermarktung eine rein regionale oder sogar lokale. Man verkaufte an große Händler, erst 1966 begann Herrn Kasts Vater, den Wein in Flaschen abzufüllen und selbst zu vermarkten.

Michael Kast war die Liebe zum Wein schon in die Wiege gelegt worden. Schon mit zehn Jahren half er im Keller mit. Als Jugendlicher entschloss er sich, die Weinbaufachschule in Eisenstadt zu besuchen und wurde erster geprüfter Weinbaukellermeister in Neusiedl am See. In vieler Hinsicht ist Michael Kast stets ein Pionier im Neusiedler Weinbau gewesen: So war er schon in den 1970er Jahren Gewinner von Goldmedaillen bei Landesprämierungen, Anfang der 1990er Jahre war er der erste Neusiedler Winzer, der begann, in Barriquefässern auszubauen.

Ein naturnaher Weinbau und eine hohe Qualität waren immer die Ziele Michael Kasts. Zum Können gehört schließlich auch das Selbstbewusstsein und der Mut, seine Qualität auch der Beurteilung durch Wettbewerbe zu stellen.

Es war für uns immer selbstverständlich, dass unsere Qualität hochstehend ist. Dann werden auch die Ansprüche höher, denn man sagt sich: Für mich zählt nur, wenn ich auch irgendwo an der Spitze ganz vorne dabei bin, wenn ich es zum Beispiel in den Weinsalon schaffe, was mir oft gelungen ist. Egal ob das Falstaff oder A la carte ist – du musst dich mitmachen trauen, dann passt das. Andere trauen sich oft bei gewissen Sachen nicht mitzumachen, weil sie Angst haben, schlecht abschneiden zu können. Aber ich hatte immer die Überzeugung, dass wir gute Weine machen. Natürlich sind die Geschmäcker verschieden. Aber  in der Hinsicht waren wir immer selbstbewusst und überzeugt, dass wir eine gute Qualität bieten.

Das Weingut Kast zeichnet sich durch eine große Vielfalt an Weinen aus. Das Verhältnis von Rot- zu Weißweinen liegt bei 60:40. Neben verschiedenen Rot- und Weißweinsorten produziert Herr Kast aber auch Süßweine, Brände oder Sekt. Auch Experimenten ist er nicht abgeneigt. 

Ich unternehme auch Versuche. Da habe ich zum Beispiel einen Weinbrand, der einem Cognac ähnelt. Dieser ist zehn Jahre in einem Eichenfass gelegen, bevor wir ihn abgefüllt haben. Ich mache auch Sherry. Das sind Versuche, einmal gelingt es, einmal ist es nicht so gut. Aber man probiert es. Das ist ja unser Metier und warum soll ich da nicht auch einiges ausprobieren?

WeinflaschenIch frage Herrn Kast schließlich danach, wie der Winzer entscheidet, wie sich ein Cuvee zusammensetzt und Herr Kast erklärt, dass dies in erster Linie mit den Sorten, die einem zur Verfügung stehen, zusammenhängt. Und die Qualität der Sorten hängt freilich auch mit den Lagen, den Rieden, zusammen. So kommen wir auf die Ried „Lange Ohn“ zu sprechen, ein Gebiet, das mir noch aus den Erzählungen meiner Großmutter, deren Eltern dort Weingärten hatten, ein Begriff ist. Ich erinnere mich, wie meine Großmutter erzählte, wie sie als Kind bei Gewittern von der „Langen Ohn“ nahe der Nachbargemeinde Jois bis in ihr Elternhaus am anderen Ende der Stadt nach Hause lief.

Herr Kast erklärt, dass dieser Südhang zu den besten Lagen in Neusiedl am See gehört. Die Trauben dort zeichnen sich durch eine frühe Reife, bessere Qualität und wenig Säure aus. Der Zweigelt aus diesen Lagen wird zum Beispiel auch für den erwähnten „Cassio Dio“, den Wein, der nach einem Statthalter der römischen Provinz Pannonien benannt ist, herangezogen.

Das ist der Grundstock für meinen Cuvee, ob das jetzt der „Am See Rot“ oder auch der „Cassio Dio“ ist. Im „Am See Rot“ ist mehr Zweigelt enthalten, 70 %, im Cassio Dio sind 55 % enthalten. Und die bei uns zweite übliche Sorte Blaufränkisch ist zu fast einem Drittel in diesem Wein. Beim Cassio Dio habe ich auch einen leichten Touch von Pinot Noir hinzugegeben. Und Anfang der Jahrtausendwende haben wir einen Cabernet Sauvignon, eine französische Sorte, ausgesetzt. Davon geben wir auch etwas hinein, denn der Cabernet Sauvignon macht den Wein langlebiger, denn Zweigelt ist eine Sorte, die nicht unbedingt so langlebig ist. Aber wenn ein Cabernet oder ein Blaufränkisch enthalten ist, der ebenso langlebig ist, dann hält dieser Wein sehr gut. Das muss man richtig abschätzen. Heute kenne ich schon meine Prozente. Und eigentlich muss ich sagen, dass diese Weine auch immer ziemlich gleich werden.

Der „Blaufränkisch Lange Ohn“ des Weinguts Kast stammt eben auch aus jener Lage. Zusammen mit einem köstlichen Walnussbrot habe ich diesen vollmundigen, nach dunklen Beeren schmeckenden Wein an anderer Stelle vorgestellt.

Michael Kasts Weingärten befinden sich in allen Rieden Neusiedls, rund um die Stadt. Er verfügt über die Erfahrung, zu wissen, welche Rebsorte in welcher Lage am besten geeignet ist.

Schließlich geht es noch an die Verkostung edler Tropfen und ich darf den Altweinkeller, in dem bis zu 45 Jahre alte Weine gelagert werden, besichtigen und dort fotografieren. Am Ende des netten Besuchs lerne ich noch die hofeigenen Katzen kennen.

 

 

 

 

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