Monika Liehl – Vom Kindheitstraum zum Lebensprojekt

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Schon Anfang Juli lernten mein Mann und ich Monika Liehl kennen, als wir während eines Ausflugs ins Burgenland auf der Suche nach Ziegenkäse waren. Damals schon wurden wir sehr herzlich empfangen und ich beschloss, diese engagierte und liebenswerte Frau für Steppe und Stadt zu interviewen und wir vereinbarten damals auch gleich einen Termin! 

An jenem Freitag, an dem ich ins Burgenland fahre, um Monika Liehl zu treffen, stehen schließlich mehr Ereignisse am Plan als ursprünglich angenommen. Am Abend feiert eine liebe und mir sehr am Herzen liegende Freundin ihren Geburtstag in Wien und auch tagsüber sind mehr Erledigungen als eben angenommen zu tun. Da ich pünktlich vom Büro wegkomme, geht sich aber sogar vor dem Besuch in Parndorf noch ein Abstecher nach Neusiedl am See, zu meinen Eltern, aus. Als ich an diesem heißen Tag ankomme, duftet das Haus meiner Eltern nach Reis und Paprika. Ich überlege, ob meine Mutter Letscho, das traditionelle burgenländische Gericht, gekocht hat, aber es sind gefüllte Paprika, ebenso nach Familienrezept zubereitet (ich selbst möchte demnächst welche in einer eher persischen Variante kochen!). Tatsächlich geht es sich noch aus, das köstliche Essen zu genießen und mit den Eltern auch über mein bevorstehendes Interview zu plaudern. 

Nach diesem köstlichen Mahl geht es nach Parndorf, mit Kamera und Diktiergerät im Gepäck. Als mir Monika Liehl öffnet, erwartet mich wieder dieses freudige, lebendige Lächeln, das ich schon vom Kennenlernen Anfang Juli kenne. Die blonden, lockigen Haare sehen ebenso fröhlich aus wie die strahlenden Augen dieser Frau, die sich ihren Kindheitstraum im Burgenland erfüllt hat! 

Monika Liehl ist eigentlich Wienerin, die durch ihren Mann den Weg nach Parndorf gefunden hat. Dort lebte dessen Großmutter, die 96 Jahre alt wurde, auf einem typisch burgenländischen Streckhof, der einst für die Landwirtschaft genutzt worden war. Diese Großeltern betrieben Ackerbau, hatten Pferde für die Arbeit, und hielten Kühe, Schweine und Gänse. Der Stadel, der nun einer besonderen Verwendung zugeführt wurde, stammt aus dem Jahr 1900. 

Die heutige Betreiberin des bezeichnender Weise “Ziegenliebe” genannten Hofs war ursprünglich in der Finanzdienstleistungsbranche tätig. Es war die Finanz- und Bankenkrise, die sie nicht nur nachdenken, sondern wirklich auch innehalten ließ. Da erkannte sie den Wert von Grund und Boden und die Bedeutung der Selbstversorgung. Wie wichtig es wohl ist, ein Lebensmittel selbst zu erzeugen, überlegte Monika Liehl. 

Ziegen, die sie heute in Parndorf züchtet, hatten sie schon immer fasziniert. Dies war so seit ihrer Kindheit:

Es haben mich niemals Schafe interessiert. Es waren immer nur die Ziegen. Wenn wir irgendwo aufs Land hinausgefahren sind, dann war ich von den Ziegen nicht mehr wegzubekommen. 

Ziegen sind für mich auch witzige und kommunikative Tiere. Das Schaf hält sich eher im Rudel auf während die Ziege mehr dem Menschen zugeht.

Monika Liehl hatte irgendwann begonnen, Bücher über Ziegenhaltung zu lesen. Sie  hat sich ihr umfangreiches Wissen autodidakt beigebracht. 

Auf einem persönlichkeitsbildenen Seminar, das sie noch in ihrer Zeit in der Finanzbranche besuchte, ging es darum, Visionen zu zeichnen. 

Dabei habe ich auf diesem Hof, vor dem Stadel, sehr viele Menschen gesehen. Ich wusste damals aber noch nicht, in welcher Form das sein wird. Und irgendwie waren damals auch schon Ziegen im Spiel. Das war schon in meinem Kopf, dass ich das (Anm. den Hof und den Stadel) hier hinten einmal beleben möchte. 

Es war zu einem Weihnachtsfest, dass Monika Liehls Mann ihr zwei trächtige Ziegen schenkte. Damit find alles an. Mit dem Wissen aus den Büchern, mit Überzeugung, ihren Traum zu verwirklichen, ging Monika Liehl an dieses wunderbare Projekt heran. Viel war wohl “Learning by doing”, sie musste viele angenehme und auch weniger angenehme Erfahrungen erst machen, um zu lernen. Sie kaufte steirische Scheckenziegen und Saanenziegen aus dem Waldviertel, letztere sind für ihre starke Milchleistung bekannt. So begann sie, Ziegen zu züchten und unternahm die ersten Versuche in der Käseerzeugung. 

Bei der Ziegenzucht und der damit verbundenen Milch- und Käsegewinnung spricht man über die Menge der gewonnen Erträge nicht in Liter, sondern in Kilogramm. Die Milchleistung der Mutterziege trägt der Bock in sich, der diese an seine Nachfahren weitergibt. Daher ist dies ein wichtiger Hinweis für die Zucht. Die Rolle der Böcke ist übrigens eine, die den Tierliebhaber manchmal traurig stimmt. Das musste eben auch Monika Liehl zur Kenntnis nehmen. Leider, so die Betreiberin des Ziegenhofs, kommen die Böcke in den großen “Ziegenhimmel”, sie muss sie weggeben, denn ansonsten würden sie die weiblichen Milchziegen nicht an das Futter lassen. Zunächst hatte sie gedacht, sie könne das Problem mit dem Kastrieren der Böcke lösen, leider stellte sich dies als erfolglos heraus. Eine Milchproduktion ist mit dem Verbleiben mehrerer Böcke nicht möglich. So behält sie nur die, die für die Zucht notwendig sind und gibt folgenden Rat auch an ihre Helfer und Helferinnen weiter: Niemals das Herz an einen jungen Bock hängen, auch wenn das Tier noch so putzig ist!

Monika Liehl stellt Käse aus Rohmilch her. Im Keller des Hauses, das die Liehls parallel zum alten Hof in historischem Stil errichtet haben, hat sie eine Käserei eingerichtet. Der gewonnene Käse, den sie in unterschiedlichsten Sorten anbietet, schmeckt aufgrund der Rohmilch immer etwas anders. Das macht die Sache aber auch spannend! Daher lässt sie Käse grundsätzlich verkosten. Als Weinliebhaberin vergleiche ich diese Tatsache mit Wein! Auch dieser variiert von Jahr zu Jahr und auch beim Wein heißt es Kosten und Testen! 

Der Käse ist von feiner Würze geprägt und alle bisher verkosteten Sorten haben uns begeistert und überzeugt! Monika Liehl verkauft ihren Käse ab Hof und am Markt der Erde, der jeden ersten Samstag im Monat und von April bis September auch jeden dritten Samstag stattfindet. Daneben liefert sie unter anderem an die St. Martins Therme und das Gut Oggau sowie in Wien gezielt an die “Warenhandlung” und die “Käseschatztruhe”

Der Markt der Erde findet im eingangs erwähnten Stadel des Hofs statt. Entstanden ist die Idee bei einem Slow Food Burgenland-Stammtisch. Dabei wurde festgestellt, dass im Nordburgenland viele hervorragende Produzenten existieren, dass aber diese durch lange Wege getrennt sind, sodass der Konsument recht lange benötigt, um einen vollen Einkaufskorb zu erhalten. Wieder war es die Initiative und Entschlossenheit Monika Liehls, den Stadel ihres Hofs zu öffnen und dem Markt der Erde, der sich am Vorbild der Earth Markets der Slow Food Stiftung orientiert, ein Zuhause zu geben. Nun treffen seit 2010 im Hause Liehl in Parndorf die regionalen Produzenten zusammen und der Markt ist zum fixen Bestandteil des kulinarischen Lebens im Burgenland geworden. Zu diesem zählt auch eine Schauküche, wo stets andere Köche Köstliches zaubern!

Die Offenheit Monika Liehls und ihre Herzlichkeit werden auch dann sichtbar, wenn sie davon spricht, dass sie Studenten ihr Haus geöffnet hat. Seit Beginn ihres Projekts waren immer wieder Studenten, einmal auch ein Aussteigerpärchen, mit dabei, wenn es darum ging, die Ziegen zu pflegen und am Hof und in der Produktion mitzuhelfen. Die Liehls stellen eine Wohnung für Interessierte und Engagierte zur Verfügung, die dann mitarbeiten. So wurden am Ziegenhof schon Bachelorarbeiten verfasst und Menschen fanden endlich zu innerer Ruhe und nutzten die Zeit, über ihr Tun und ihre Zukunft nachzudenken. Auch Studenten der Veterinärmedizinischen Universität nutzen den Hof für Praktika. Die Chemie zwischen den Gästen und ihr muss stimmen, meint sie, dann wäre es eine gegenseitige Bereicherung! 

Bereichernd war die Begegnung auch wieder für mich! Und sie wird nicht die letzte gewesen sein. Zu Hause freute sich mein Mann über den schon sehnlich erwarteten Ziegenkäse und ich freue mich, eine so liebe und sympathische Frau mit ähnlichen Interessen wieder zu treffen! Und nachdem mir liebe Nachbarinnen einen Rosé (bin Roséfan!) vom Andauer Weingut Hannes Reeh brachten, verkostete ich diesen mit einer milden Variante des Ziegenkäses! Pure Harmonie! Der vollmundige, fruchtige und milde Rosé passte hervorragend zum leicht würzigen Käse, verfeinert mit Neusiedler Majoran! Steppe pur! 

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